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Music of the Viola oder wenn Veilchen Violine spielen

Darf ich vorstellen: Viola odorata, das Duft-Veilchen.

Sie möchte euch heute etwas auf ihrer Namensvetterin, der Viola, der Violine vorspielen. Viola spielt Viola, wenn man so will.

Doch Ihr müsst entschuldigen. Das Veilchen übt noch. Violine spielen ist nicht so ganz einfach und unser kleines Veilchen macht soeben seine ersten Gehversuche an diesem Instrument. Immerhin: Schiefe Töne werden es nicht, aber an der Harmonie kann es noch feilen - jedenfalls für menschliche Ohren.

 

Und so sitze ich  schmunzelnd vor der von Veilchen erblühten Wiese und denke nur: Wenn die alle auf einmal spielen würden, wie dieses eine Veilchen, dann würde es klingen, als würde alle Musiker eines gewaltigen Orchesters gerade ihre Instrumente stimmen. Fast ertappe ich mich dabei, dass die Oper gleich beginnt, doch dann erkenne ich: Ich sitze schon mittendrin!

 

 

Ein wenig fühle ich mich auch wie eine Mutter, die ihrem Kind das erste Mal zuhört, während es stolz ein Instrument spielt: Noch völlig ohne Rhythmusgefühl und tieferen Sinne, doch bei jeder zufällig harmonisch klingenden Abfolge kommt doch so etwas wie Stolz auf. Dem Veilchen ist das egal. Es spielt einfach munter weiter.

 

Wieder einmal erkenne ich, dass mich die Pflanzen auf eine Reise zu mir selbst mitnehmen. Eigentlich dachte ich, dass ich auf Entdeckungsreise gehen, aber ich wurde mitgenommen. Nicht ich lerne etwas über sie, sondern in erstere Linie etwas über mich - durch die Pflanzen. Ihr Wesen bleiben mit verborgen - vollständig. Gerade bei diesen doch jazzig anmutenden Tönen kann mein Feingefühl kaum einen Draht zu den Veilchen aufbauen. Vielleicht ist das aber gut so?! Eher führt mich diese Erkenntnis zu mir selbst. Ich bin es, die sich wünscht, dass die Melodie doch harmonischer klingen möge. Ich bin es, die anfängt zu werten und zu urteilen über eine Musik, die ich nicht verstehen. Ich bin es, die anfängt zu zweifeln, ob ich die richtige Einstellung gewählt habe, und zu denken, was wohl die Menschen da draußen über diese kuriose Tante mit ihrem kleinen Gerät sagen werden. Und ich erkenne: Das Veilchen spielt munter weiter. Unbeirrt. Es ist ihm egal, was meine Gedanken denken. Es ist ihm  egal, in welche richtig sich die Welt dreht. All diese Gedanken sind nur in meinen Kopf. Es fällt schwer den Fokus jenseits des eigenen Kopfes zu setzen. Ich denke, also bin ich? Werde ich je erfahren, wer die Wesen meiner Umwelt sind? Ist etwas nichts, weil es nicht denkt?  Und woher weiß ich, dass es nicht denkt. Vielleicht will mich das Veilchen ja nur foppen. Vielleicht spielt es wunderschön - wenn ich nicht lausche. Und so stehe ich ein wenig ratlos inmitten der Veilchen. Die Welt der Pflanzen bleibt unbegreiflich. Meine eigene Welt bleibt unbegreiflich.  Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, wollen, wir jemals mit Pflanzen wirklich kommunizieren. Aber es fühlt sich richtig an, erst einmal sich selbst zuzuhören.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ursula (Montag, 16 August 2021 22:13)

    Das ist genial!